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Spielmannszug
Musik wird bei der Feuerwehr schon seit der Jahrhundertwende gemacht. Genaue Angaben, ab wann schon Musik betrieben wurde, konnten nicht aufgefunden werden.
Die Chronik des Musikvereins geht davon aus, daß dies Ende des vorletzten Jahrhunderts gewesen sei und die damalige Feuerwehrkapelle unter der Stabführung von Tünchnermeister Karl Kraus gestanden habe. Beweiskräftig hierzu ist im Haus der
Feuerwehr eine Fotografie der gesamten Wehr aus dem Jahre 1905, auf dem im Vordergrund links die 15 Mann starke Kapelle mit Instrumenten zu sehen ist.
Ein Zusammenschluß mit dem Musikverein erfolgte 1908. Der unter Führung des damaligen Bürgermeisters Stefan Abel stehende Musikverein war nun für die Weiterentwicklung des Musiklebens verantwortlich. Von der Gründung eines Spielmannszuges bei der Freiwilligen Feuerwehr wird 1928 berichtet, Initiator war dabei Anton Mülbaier.
Die neuere Geschichte beginnt mit der Wiederbelebung beziehungsweise Neugründung 1949 durch Adam Mülbaier. Auch hierbei war von Anfang an ein traditioneller Spielmannszug im Gespräch, für dessen Wirksamkeit hier einmal eine Lanze gebrochen werden muß. Bei der Vielseitigkeit unseres Kulturbetriebes möchte man einen Spielmannszug keineswegs missen, denn er bringt eigene Reize ein. So sollte man auch dankbar sein, daß diese interessante Form der Musik noch bewußt gepflegt wird.
Neugründer und Stabführer war bis 1966 Adam Mülbaier, ihm folgte bis 1967 Konrad Mülbaier und bis 1992 Robert Mülbaier, unter dessen Leitung man dazu überging, mehrstimmig zu spielen.
Ab 1992 hatte Walter Funk die musikalische Leitung. Zu diesem Zeitpunkt trennte man von den musikalischen Aufgaben die administrative Tätigkeit. Von 1992 bis 1997 war Heinz Mülbaier Leiter des Spielmannszuges. Seit 1997 bis Juni 2001 war dies Monika Schrutek, die gleichzeitig für die Verwaltung zuständig gewesen ist, eine Blockflötengruppe eingerichtet hat und somit sinnvoll für Nachwuchs sorgte.
Ab Juli 2001 wurden die Aufgaben der Leitung des Spielmannszuges neu verteilt. Seitdem ist Walter Funk wieder Stabführer des Spielmannszuges. Die Aufgaben eines Stabführers sind zu vielseitig, als daß sie ein einzelner bewältigen könnte. Deshalb wurden die Aufgaben unterteilt in: Stabführer, Leitung des Spielmannszuges und Freizeitgestaltung; -was erfahrungsgemäß nur dann funktioniert, wenn jeder seine Aufgaben ernst nimmt und auch ausführt.
Das geänderte Freizeitverhalten mit vergrößertem Konsumangebot führte wie bei vielen anderen Vereinen auch, zu einem Mitgliederschwund im Spielmannszug. Von den stolzen 30 Mann, die noch in den 60er Jahren mit klingendem Spiel durch Walldorf´s Straßen zogen, sind heute nur noch 13 aktiv. Man hat hier noch rechtzeitig dagegen gesteuert und wirksam um Nachwuchs geworben. Beim Aufbau des Schülerspielmannszuges stand tatkräftig Heinz Mörschel zur Verfügung, der aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden mußte. Einige Ausbilder besuchten selbst Förderlehrgänge in der Musikschule Bad Gandersheim bei Hannover und Stabführer Walter Funk machte bereits zwei Stabführerlehrgänge in der Feuerwehrschule Bruchsal.
Der Nachwuchs hat seinen Unterricht an den Montagen von 16 bis 19:30 Uhr im Haus der Feuerwehr in Anfänger- und Fortgeschrittenengruppen. Da man den Zusammenhang einer Gruppe nicht zerreißen wollte, erfolgte die Übernahme zu den Aktiven gemeinsam. Ende 1999 wurden 5 Schüler in den Spielmannszug übernommen.
Ausgesprochen flott geht es bei der Musikprobe der Aktiven am Montagabend von 19 bis 20.30 Uhr zu. Die alte Streitfrage, ob ein Spielmannszug nach Noten lernen soll, ist längst geklärt: Schwierige Stücke, die konzertant dargeboten werden, natürlich nach Noten. Marschmusik muß auswendig sitzen. Marschmusik gibt es während des "Weckrufs" frühmorgens ab 7 Uhr beim Maifest (Aus Kostengründen leider abgeschafft), bei der Eröffnung der Straßenkerwe, bei Sommertags- und Martinsumzügen sowie bei Festumzügen.
Konzertant tritt man bei den verschiedensten Festen auf. Im Vorjahr hatte man 16 Auftritte und 30 Musikproben.
"Etwa ab dem 16. Jahrhundert wurde damit begonnen, Trommler und Pfeifer (sogenanntes „Spil“) als Musiker der Fußtruppen und die besser gestellten Pauker und Trompeter als Musiker der Kavallerie zu unterscheiden.
In heutiger Zeit ist die Militärmusik neben ihrer klassischen Rolle zur Untermalung militärischen Zeremoniells auch wesentlicher Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit moderner Streitkräfte.
Wichtiger Bestandteil der militärischen Marschmusik in Deutschland sind die Spielmannszüge bzw. Tambourkorps und Trommler- und Pfeiferkorps. Sie setzen Schlagwerk und Flöten ein.
Jedoch ist in den letzten Jahren festzustellen, dass mittlerweile viele Spielmannszüge (Trommler- und Pfeiferkorps) sich anderen Formen der Musik widmen. Dies ist auch gut so. Jedoch werden dabei die schönen und musikalisch wertvollen Kompositionen der deutschen militärischen Marschmusik von vielen Korps in Deutschland vernachlässigt. ( mit Ausnahme einiger Landesbereiche)
Die traditionelle Militärmarschmusik sollte vor allem als ein Element der Traditionspflege und vor allen zur Erhaltung der Musikkultur des Marsches in Deutschland dienen. Hierbei sind die Spielmannszüge ( Trommler- und Pfeiferkorps) ein wichtiger Bestandteil und Träger der militärischen Marschmusik.
Da in vielen europäischen Ländern ( z. B. Holland, Belgien, Frankreich) die Spielleute immer eine Verbindung zur ihrer Marschmusik pflegten, sollte es daher dem deutschen Spielmannwesen gelingen, diesen wichtigen und übersehbaren Faktor der hervorragenden und schönen deutschen militärischen Marschmusik wieder mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die deutsche Militärmarschmusik sollte daher bei den Spielleuten wieder der Grundstock unserer Marschliteratur werden."
Wilhelm Bergstein, Berle Musikverlag